Assewasser Häufige Fragen (FAQ)

Lesen Sie hier eine Auswahl an Fragen und Stichpunkten, die wir als Bürgerinitiative immer wieder interessierten Bürgern erläutern.
Sollten Sie eine Ihrer Fragen hier nicht finden, können Sie diese gern an uns stellen.

Die Politik bestimmt die Grenzwerte?
Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat die aktuellen Messwerte der Zutrittslösungen vorgelegt und diese sind lt. Messprotokoll freigemessen nach Strahlenschutzverordnung. Warum haben Sie als BI eigentlich Bedenken dagegen? Grundsätzlich können die Grenzwerte der seit 2001 geltenden Strahlenschutzverordnung keinen ausreichenden Gesundheitsschutz gewährleisten, da zur Festlegung dieser Grenzwerte auch rein wirtschaftliche Interessen der Atomindustrie berücksichtigt wurden. Grenzwerte sind zumeist willkürlich gezogene Grenzen, die besagen, in welchem Grad die Umwelt straffrei verschmutzt werden darf. Desweiteren ist die Strahlenschutzverordnung selbst, sowie deren Entstehung bzw. Ausarbeitung u. Anwendung, schon seit Ihrer Entstehung in Fachkreisen immer wieder umstritten. Beim sogenannten Freimessen handelt es sich um einen reinen Verwaltungsvorgang, bei dem das belastete Material aus der Überwachung entlassen wird. Frei von Strahlung oder radioaktiven Bestandteilen wird das Material dadurch nicht. Finden Sie hier einen Link zu einem Untersuchungsbericht der EU-Komission [EUROPEAN COMMISSION, RADIATION PROTECTION NO 152, Emerging Issues on Tritium and Low Energy Beta Emitters, EU Scientific Seminar 2007 (PDF; 2,8 MB)], wonach Tritium bis zum Faktor 5000 in seiner Gefährlichkeit unterschätzt wird. Solange solche großen Unklarheiten in der Fachwelt bestehen, ist es für uns als Bürgerinitiative auch irrelevant, welcher Grenzwert für das Einleitvorhaben herangezogen werden. Vertrauen kann es so nicht geben.
Es wird doch mehr werden, als im Juli 2017 angekündigt!
Die Asse GmbH hat in Ihrer Präsentation im Sommer 2017 bekannt gegeben nur ca. 12,5 m³ pro Tag im Bergwerk in Sehnde einzuleiten. Tatsächlich ist diese Menge in der Präsentation genannt worden. Allerdings befürchtet die Asse GmbH selbst steigende Mengen an Zutrittswässern. Eine feste Zusage dass es in einem solchen Fall bei den 12,5 m³/Tag bleibt, wurde damals nicht gegeben. Schon im ersten Ergänzungsschreiben der BGE zur Vorstellung des Einleitungskonzeptes wird von einer Regelmenge von 200 m³/Tag gesprochen. Weiter heißt es in dem Schreiben, dass im o.g. Notfall diese Menge noch bis 500 m³/Tag erhöht werden könnte. Dies wäre die vierzigfache Menge, des ursprünglichen Vorhabens. Die Notfallmenge wird nur durch die Leistung der derzeit genutzten Pumpentechnik begrenzt. Welche Menge mit anderen, oder zusätzlichen Pumpen möglich wäre, bleibt bisher unklar.
Angeblich sind die Zutrittswässer so gering belastet wie Trinkwasser, also harmlos?
Laut Einleitungskonzept der ASSE GmbH vom Sommer 2017 sollen doch nur Salzwässer bis zum Trinkwassergrenzwert für Tritium (100 Becquerel/Liter) eingeleitet werden? Während der Präsentation wurde von Seiten der ASSE GmbH sogar von einer Selbstverpflichtung von 40 Bq/l gesprochen. Allerdings wurde auf Nachfrage angegeben, dass die Freimessung der Zutrittswässer nach Strahlenschutzverordnung beantragt wird, und somit dann ein oberer Grenzwert für Tritium von 10.000 Bq/l gilt. Der Widerspruch, warum man bis 10.000 Bq/l beantragt, wenn man doch nur bis 100 Bq/l einleiten möchte, wurde bis heute nicht aufgeklärt. „Das muss aus formalen Gründen so beantragt werden“, hieß es dazu. Am 13.03.2018 hat die BGE allerdings auf ihrer Homepage angekündigt, einen neuen Antrag mit Festsetzung des Trinkwassergrenzwert (100 Bq/l) zu stellen. Warum plötzlich geht, was vorher nicht möglich war, kann man nur vermuten. Auch ist von einer Selbstverpflichtung der BGE auf 100 Bq/l die Rede. Die einzige uns bis dahin bekannte u. nachvollziehbare Selbstverpflichtung auf 100 Bq/l existiert seit 1999 durch K+S. Dass diese nicht dem Profitinteresse von K+S geopfert wird, ist natürlich nicht garantiert. Eine solche Festlegung schon 1999 (vor Novellierung der Strahlenschutzverordnung) zeigt, dass auch die Industrie höhere Belastungen, durch radioaktive Isotope, in den zu entsorgenden Flüssigkeiten offensichtlich verhindern möchte.
Aber wenn die Zutrittslösung nicht in Sehnde eingeleitet werden kann, säuft die Asse doch ab, oder?

Der Schacht in Sehnde soll nach derzeitiger Planung noch bis 2021 geflutet werden.
Dass in diesem Zeitraum der Wasserzutritt in der Asse versiegt oder gestoppt werden kann, ist höchst unwahrscheinlich.
Die Verbringung ins Bergwerk Friedrichshall ist also keine dauerhafte und nachhaltige Lösung der Zutrittsproblematik. In der Präsentation des Einleitungskonzeptes wurde Februar 2018 als Termin zum Einleitungsbeginn in Sehnde (Friedrichshall) genannt. Im Zusatzschreiben der BGE wiederum heißt es abweichend, Sehnde sei ohnehin nur für den Fall vorgesehen, wenn der derzeitige Abnehmer ausfällt, oder eine Notfallsituation (erhöhter Laugenzutritt) in der Asse eintritt (Backup-Option). Warum man eine Notfalloption in Friedrichshall sucht, bei der die verbleibende einplanbare Aufnahmekapazität durch die fortgeführte Flutung täglich kleiner wird, ist bisher nicht nachvollziehbar erklärt.

Im Vergleich zu den Problemen mit der ASSE ist das Thema, der Einleitung in Sehnde, doch vernachlässigbar.
Ja, im Vergleich zur Asse verblassen viele andere Probleme. Dies halten wir allerdings für eine sehr gefährliche Argumentation. Wie soll ein Fortschritt erzielt werden, wenn alle neuen Umweltverschmutzungen mit den in der Vergangenheit gemachten Fehlern relativiert werden? Wohin führt eine solche Argumentation, wenn man diese systematisch fortführt? Die Asse ist im Vergleich zu Tschernobyl oder Fukushima doch nicht so schlimm?
Wie gefährlich ist das belastete Wasser denn genau? Es heißt von Behördenseite immer, es sei unbedenklich.
Die Erfahrung zeigt, dass es im Umgang mit radioaktiven Stoffen schon häufig zu Beschwichtigungen und Verharmlosung durch verschiedene Behörden gekommen ist. Kritische Wissenschaftler bestreiten indes, dass es überhaupt ungefährliche Belastungen durch niedrig dosierte Strahlung oder radioaktive Stoffe gibt. Bei Tritium beispielsweise kann ein jedes einzelne Strahlenquandt Krebs auslösen. Letztendlich bleibt es wie beim Lose ziehen. Je mehr Lose man zieht, desto wahrscheinlicher ist ein Treffer. Weiter ist zu beachten, dass unsere hochindustrialisierte Gesellschaft viele Belastungen für die Umwelt und Gesundheit schafft: Pestizidrückstände aus der Landwirtschaft, Abgase, Feinstaub, Mikroplastik u. medizinische Wirkstoffreste im Trinkwasser, sind hier nur einige weitere Beispiele. Alle diese Themen können dazu beitragen die durchschnittliche Zahl der Erkrankungen in der Bevölkerung anzuheben. Eine eindeutige Voraussage, welcher Stoff wie viele Krankheitsfälle verursacht, ist vor diesem Hintergrund leider nicht exakt möglich. Jedoch ist es durchaus plausibel, dass eine erhöhte Zahl der durchschnittlichen Erkrankungen die statistischen Auffälligkeiten u. lokalen Häufungen von bestimmten Erkrankungen nach u. nach egalisiert, und somit eine Ursachenbekämpfung erschweren kann. Mann sollte auch beachten, dass in der Regel alle Stoffe nur alleinstehend untersucht werden. Eine Wechselwirkung mit anderen Schadstoffen u. Umweltbelastungen wird kaum untersucht.
Die BGE bietet doch eine Überprüfung der Wässer an. Außerdem werben Sie mit einer Transparenzoffensive, um Vertrauen zu gewinnen. Reicht Euch dass nicht?

Kurz gesagt: Nein, eine Überprüfung würde sich nur auf bestimmte Nuklide beziehen. Da aber in der Asse nicht zu 100% bekannt ist, was dort eingelagert ist, kann man natürlich nicht genau nachmessen.
Die Transparenzoffensive der BGE beschränkt sich bisher auf die übliche Einladung zur Besichtigung der Schachtanlage ASSE II. Die Anträge und Verträge zum Einleitungsvorhaben hat man uns bislang nicht von sich aus vorgelegt, sondern sind nur auf Antrag im LBEG einzusehen. Auch zu unseren BI-Treffen ist vom BGE oder der ASSE GmbH niemand erschienen. Stattdessen wurden, vor der Verabschiedung der Resolution durch den Rat der Stadt Sehnde, alle Fraktionen durch die BGE angeschrieben, um möglichst nochmal direkten Einfluss auf die lokale Politik zu nehmen.
Eine Transparenzoffensive, welche darauf angelegt ist, passiv abzuwarten, dass sich die interessierten Bürger Informationen abholen um das Vertrauen in die beteiligten Gesellschaften zu stärken, ist schon ein eigenartiges Verständnis von Offensive.
Auch wollen wir noch darauf hinweisen, dass die Organisationen, aus denen die BGE hervorgegangen ist, selbst zu den heute schlechten Bedingungen in der ASSE beigetragen haben. Ein Wandel im Umgang mit der Thematik ist bis heute nicht erkennbar, da die BGE auch weiterhin an solchen Vorhaben wie beispielsweise Schacht Konrad festhält.

Reicht denn die Messung von Tritium und Cäsium nicht aus?

Die BGE bietet doch eine Überprüfung der Wässer mit Kostenübernahme an. Sie will Salzwässer mit einem maximalen Tritium-gehalt von 100 Bq/l Tritium und 50Bq/l Caesium anliefern.
Ja, das stimmt. Die BGE spricht immer wieder von sogenannten Leitnukliden. WICHTIG! Die Ermittlung der Strahlenbelastung eines Wassers durch die Messung von NUR zwei bestimmten Nukliden, ist nur dann sinnvoll, wenn bekannt ist aus welchem Ausgangsstoff alle Radionuklide in der Lösung enstanden sind. Nur dann kann man Rückschlüsse auf weitere vermutlich enthaltenen Isotope und Nuklide ziehen.

Da in der ASSE jedoch auch z.B. gesundheitsgefährliche Isotope (Strontium-90, Beta-Strahler) aus medizinischen Anwendungen zusammen mit Kernbrennstoffen und weiteren bisher unbekannten Stoffen lagern, können diese zusammen mit den Zutrittswässern täglich einen nuklearen Cocktail unbekannter Zusammensetzung und Anteilen bilden. Vor diesem Hintergrund ist eine Messung nur über Leitnuklide wenig zuverlässig und kaum wissenschaftlich begründbar. Es kann durch die einfache Messung von nur zwei Nukliden (Tritium und Cäsium, beim Cäsium ist lediglich das Cäsium 137 gemeint) bei den Assewasserzutrittswässern NICHT auf die gesamten möglichen Inhaltsstoffe der Wässer geschlossen werden.

Daher ist unserer Meinung nach eine Gesundheitsgefährdung durch diese durch die BGE angestrebte, sehr oberflächliche Untersuchung, der Wässer nicht sicher auszuschließen.

Es muss 100%ig sichergestellt sein, dass die Wässer frei von Radionukliden aus Kernbrennstoffen und ihren Brutprodukten sind!

Um wirklich sicher zu gehen, müssen die Wässer auf alle möglichen gesundheitsgefährlichen Nuklide und Isotope untersucht werden. Und dies muss mit jeder einzelnen Charge geschehen, da sich die Zusammensetzung täglich ändern kann. Wer weiß schon, wann das nächste Fass durchgerostet ist oder der nächste Riss entsteht.

Wie würden Sie jemanden nennen, der einem Veganer verspricht, dass eine Suppe nur unbedenklich wenig Fleisch enthält, weil er bei jeder Lieferung zuverlässig die Karotten und Nudeln zählt?